veröffentlicht auf französisch und englisch auf LEAP2040:

“Heute fordern die Generationen, die den Planeten ungeniert durch den überspannten Liberalismus und seinen tugendhaften Mechanismus der “unsichtbaren Hand” verdreckt haben, die neuen Generationen auf, mit dem Konsum, dem Essen und der Atmung aufzuhören, um nicht weniger als das Ende der Welt zu vermeiden.

Sicherlich ist es nichts Neues, wenn man die Untaten früherer Generationen reparieren muss: Die Deutschen – aber nicht nur sie – haben sich gerade sieben Jahrzehnte lang für den Wahnsinn der Generationen, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden, entschuldigt.

Aber diejenigen, die die Situation korrigieren müssen, müssen alle Karten in der Hand haben.

Jedoch ist die Umweltagenda zu einer riesigen Kommunikationsoperation geworden, in der sich alles und jeder verstrickt hat, angefangen mit unzähligen wirtschaftlichen Interessen, die prinzipienlos und weit entfernt von realen ökologischen Anliegen sind und die ewigen menschlichen Emotionen aus Angst vor dem Tod, vor Veränderungen manipulieren. Es ist sehr schwierig, in dieser Konfusion, die jeden Tag mehr Inkohärenz erzeugt und mehr widersprüchliche und/oder sich aufhebende Anordnungen, klar zu sehen: “Konsumieren Sie (die Wirtschaft muss sich drehen), ohne zu konsumieren (das verschmutzt den Planeten)”, “Kaufen Sie Elektroautos … nein, kaufen Sie lieber keine”, “Trennen Sie Ihren Müll … auch wenn er in Asien landet, wo er ins Meer geworfen wird”, “Wir brauchen Müllverwertungsanlagen … aber nicht in unserer Nachbarschaft” … Die Panik, die die Menschheit angesichts titanischer Herausforderungen (… oder des Chaos) erfasst, ist kein gutes Zeichen. Es ist an der Zeit, sich zu beruhigen.

Die ökologischen Herausforderungen sind real…. so real wie sie im Mittelalter waren, als die Städte mit ihrer Konzentration von Menschen aufstiegen. Zugegeben, das Bewusstsein muss geschärft werden. Aber armageddonistische Kommunikationsoperationen mit vorgefertigten Rezepten werden nur kurzlebig sein und schließlich eine durch das Ausmaß der Aufgabe und die strategische Inkohärenz ohnmächtig gewordene menschliche Gesellschaft überfordern.

Es ist an der Zeit, zu einem wissenschaftlichen Ansatz überzugehen und gleichzeitig den überstrapazierten Wahrheiten auf den Grund zu gehen, um die Situation und die Herausforderungen der ökologischen Krise zu rationalisieren und die Voraussetzungen für eine informierte kollektive Beteiligung der Bürger an der Umsetzung langfristiger Lösungen zu schaffen…

Der folgende Artikel von Christel Hahn ist ein Beispiel für die Art von heilsamen Fragen, die an die Umweltagenda gestellt werden müssen, damit die neuen Generationen die Programme zur Reinigung des Planeten unter Respektierung des Menschen – eine Aufgabe für viele von ihnen bis 2040 – richtig formulieren können.” (LEAP)

Fridays for Future

Die Jugend, vor allem in Deutschland, steht auf und sagt: „Stopp! Wir wollen unsere Zukunft, wir wollen leben“. Die Politik macht weiter, wie bisher und die Jugend wählt grün(1). Die Politik erstarrt. Der Video ist schuld. Das Klimakabinet tagt und diskutiert, der Wirtschaftsminister hat noch Klärungsbedarf, die Umweltministerin macht Druck und draußen steht Greenpeace. Die SPD zerfleischt sich. Die CDU diskutiert. Die Jugend sagt, ihr seid nicht mehr unsere Parteien, das sind jetzt die Grünen., die sind cool und lassen die Mitglieder entscheiden(2).

Was macht die Politik?

Die Politik hat ein einseitiges Verhältnis zu den Bürgern. Sie hat Ziele, Programme, Strategien und will diese umsetzen. Und sie braucht die Bürger (als Steuerzahler, Wähler, Konsumenten, Beschäftigte, …), um ihre Ziele umzusetzen.

In einer Demokratie sollte die Politik den Bürgern erklären, was Sache ist, oder noch besser, sie könnte die Bürger fragen, was diese wollen.

In der Realität schlägt sie lieber einen anderen Weg ein. Sie erzeugt ein Narrativ, eine Geschichte, die es erlaubt, die Menschen zu bewegen. In unserer Internet-Welt nennt man das ein Meme und das aktuelle Meme ist das Klima(3).

Eine der ersten, die das gemacht hat, und damit wahrscheinlich die Urheberin des Memes, war die Chemikerin und britische Premierministerin der achtziger Jahre, Margaret Thatcher. Thatcher wollte die Abhängigkeit ihres Landes von der Bergarbeitergewerkschaft (und damit von der Kohle) beenden, in ihre Amtszeit fiel der einjährige Bergabeiterstreik von 1984/85 einerseits und die Gründung des Weltklimarates IPCC andererseits. Mit Hilfe des Klima-Memes besiegte sie die streikenden Arbeiter, brach sie die Macht der Gewerkschaft und schloss sie die Kohleminen(4).

In den Vereinigten Staaten spricht Alexandria Ocasio-Cortez, eine der repräsentativsten Politikerinnen der jungen Generation, Kongressabgeordnete und Gegnerin des „Klima-Leugners“(5) Donald Trump, genau das aus:

In einem Tweet vom 12.5.(6) sagt sie, dass nur jemand, der die soziale Intelligenz eines Seeschwamms hat, die Aussage „Die Welt wird in 12 Jahren enden“ wörtlich nehmen kann … Und sie präzisiert: „Climate change is here + we’ve got a deadline: 12 years left to cut emissions in half. A #GreenNewDeal is our plan for a world and a future worth fighting for“(7). Es geht also tatsächlich um ein Programm zur Transformation der Welt (und der Zukunft).

Hinter dem Klima-Meme steckt eine gewaltige und koordinierte Öffentlichkeitsarbeit. Jüngst hat der „Guardian“, eine der meinungsbildenden Zeitungen Europas seine Sprachregelung angepasst. Über seinen neuen „style guide“ heisst es: „Instead of ‘climate change’ the preferred terms are ‘climate emergency, crisis or breakdown’ and ‘global heating’ is favoured over ‘global warming’, although the original terms are not banned“(8).

Kohlenstoffdioxid – ein Verschmutzungsmaß

Es wurde nicht nur ein Meme in die Welt gesetzt, sondern mit dem Kohlenstoffdioxid auch ein Art Maß (bzw. Währung) für Verschmutzung. Seit Jahrhunderten wird für industrielle Prozesse und privaten Energiebedarf hauptsächlich die in der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff aus Holz/Kohle/Öl/Gas … zu Kohlendioxid freigesetzte Energie verwandt, Kohlendioxid ist also ein Maß für diese Art von verschmutzender Aktivität und der Handel mit Verschmutzungsrechten macht es auch zu einer Art Währung(9). Kohlendioxidausstoß (oder salopp Kohlenstoffausstoß) wird allgemein als Maß für die schädliche Aktivität des Menschen bzw. für den Grad der Schädigung der Umwelt verwandt, Begriffe wie „carbon footprint“ gehören inzwischen schon zum privaten Vokabular(10).

Die folgende Graphik macht das Ganze anschaulich: der Kohlenstoffdioxidausstoß zeigt, wie im Westen Bevölkerung und industrielle Aktivität stabil bis rückläufig sind, während sie im Rest der Welt ansteigen.

Abbildung 1 – Entwicklung der globalen Kohlendioxidemissionen nach Weltregionen, Quelle: University of East Anglia, Global Carbon Project

Eine sich rasant verändernde Welt

Die Politik selbst ist nicht unbedingt zukunftsorientiert, sondern agiert mit Blick auf die Umfragen und den nächsten Wahltermin. Jedoch gibt es in ihrem Umfeld, in Stiftungen, ThinkTanks, internationalen Organisationen, usw., große Stäbe, die mittel- und langfristige Analysen machen. Und diesen Analysten ist nicht verborgen geblieben, dass wir mit Beginn des neuen Millenniums vor immensen Veränderungen und Anpassungen stehen. Auslösende Faktoren sind zum Beispiel: enorm gestiegene Weltbevölkerung (deren Anstieg sich aber schon verlangsamt hat), globale Zunahme des Wohlstandes, eine fast 75jährige Friedensperiode seit dem letzten Weltkrieg, globale Ausbreitung des Kapitalismus, Aufstieg einer Vielzahl neuer Akteure, gestern noch Dritte-Welt-Länder, heute Schwellenländer …

Wenn man sich überlegt, was der Sinn des Klima-Memes ist, dann ist die simpelste, pragmatischste Antwort (Occam’s razor(11)): die Umsetzung der zur Bewältigung dieser Verschiebungen notwendigen Anpassungen, ein „framing“ der aktuellen Politik, eine Bindung der Menschen an diese unabhängig von kurzfristigen Wahlterminen. Es geht also um weit mehr als das Klima, es geht darum, einen Planeten mit 10 Milliarden Bewohnern lebensfähig zu erhalten und dafür um einen neuen Ausgleich zwischen den Weltregionen.

Das Mangel-Paradigma

Da wir aber von alters her auf Mangel und nicht auf Fülle programmiert sind, ist das Programm zur Bewältigung dieser Weltkrise ein Programm der Einschränkung, der Selbstbezichtigung und der Schuld: Wir Menschen blasen zu viel CO2 in die Luft und der Planet wird den Hitzetod sterben, wenn wir uns nicht alle massiv einschränken. Oder: der weiße Mann mit seinen großen CO2 ausstoßenden Autos ist Schuld daran, dass demnächst die Menschen in den armen Ländern, die sich vor dem ansteigenden Meeresspiegel nicht in Sicherheit bringen können, umkommen werden. ….

Der aktuelle Meilenstein zur Umsetzung dieses Programms war der Pariser Klima-Gipfel, auf ihm wurden nicht nur ambitionierte Klimaziele (für die Industriestaaten), sondern auch der Green Energy Funds beschlossen. Der in der Incheon Free Economic Zone in Südkorea angesiedelte Geldtopf erhält die im Pariser Abkommen zugesagten massiven(12) Geldbeträge und steckt sie in Projekte in den „armen“ Ländern: „The Green Climate Fund (GCF) is a new global fund created to support the efforts of developing countries to respond to the challenge of climate change. GCF helps developing countries limit or reduce their greenhouse gas (GHG) emissions and adapt to climate change. It seeks to promote a paradigm shift to low-emission and climate-resilient development, taking into account the needs of nations that are particularly vulnerable to climate change impacts“(13).

Wenn sich die „armen“ Länder so entwickeln wie die „reichen“, dann wird es einen Kollaps geben, also steckt man das Geld der letzteren in die ersteren, um ihnen dabei zu helfen, sich auf einen moderaten Teil des Kuchens zu beschränken.

Über eine Kontrolle der Geldflüsse heißt es auf der Webseite lapidar: „GCF is accountable to the United Nations“.

… und dagegen das Reichtums-Paradigma

Das Mangel-Programm schien gut zu funktionieren, bis Donald Trump mit seinem Gegenprogramm ins Weiße Haus gewählt wurde: „Make America Great Again! (MAGA)“. Es setzt ein Programm der Fülle gegen ein Programm des Mangels mit ganz anderen Prinzipien: Probleme lassen sich durch die Freisetzung unserer Potentiale lösen, Reichtum ist kein Makel, sondern kann produktiv eingesetzt werden, jede Herausforderung generiert auch Lösungen(14) … also keine Herunterschrauben der menschlichen Aktivitäten, sondern deren ambitionierte Modernisierung.

Die Basis von Trumps populistischem Programm ist eine Politik, die den „deplorables“(15) ihren Selbstwert zurückgibt, die ihnen wieder gute Arbeitsplätze durch Repatriierung von Industrie-Arbeitsplätzen aus den Schwellenländer zurück in die USA, Lohnerhöhungen und Steuersenkungen gibt und damit ein Leben in Würde ermöglicht und die auf diese Weise das Potential eines Landes von 327 Millionen Einwohnern freisetzt.

Was das Klima betrifft, so wurde das Pariser Abkommen gekündigt (und damit die Beiträge in den südkoreanischen Geldtopf, die Obama nie vom Kongress zu genehmigen wagte).

Dieser Zukunftsansatz gewinnt durch den Aufstieg ähnlicher populistischer Agenden in Europa und der ganzen Welt an Bedeutung. Die Voraussetzung für eine Debatte sind daher gegeben, auf der Grundlage gegensätzlicher Positionen, was die Bürger zwingt, “intelligent” zu werden, um die Situation und die Lösungen selbst zu beurteilen.

Die Klima-Kids

Die heranwachsende Generation, vor allem in Deutschland, hat das Klima-Meme verinnerlicht, die heute 18jährigen sind nicht nur mit einem vereinigten Deutschland, Europa, dem Euro, dem Internet sondern auch mit dem Klima-Meme aufgewachsen. Doch sie nehmen „the world ending in 12 years“ ernst und haben beschlossen, sich nicht damit abzufinden, sie fordern von der Politik konkrete Maßnahmen, um die Erhitzung des Erdklimas zu stoppen. Sie haben bei den Europawahlen mehrheitlich grün gewählt, hören nicht auf, am Freitag auf die Straße zu gehen(16) und haben die politische Landschaft in der größten Volkswirtschaft Europas gehörig durcheinander gewirbelt. Die Grünen überholen die CDU in den Umfragen. Die SPD sackt weiter ab und rückt nach grün-links. Da seit den letzten Bundestagswahlen deutlich geworden ist, dass die etablierten Parteien keine regierungsfähige Mehrheit mehr zustande bekommen, kündigt sich derzeit auf allen Kanälen eine schwarz-grüne oder sogar eine im industriellen Kernland Baden-Würtemberg schon erprobte grün-schwarze Koalition an, um die notwendigen Anpassungen zügig umzusetzen.

Mit einer absehbaren Machtübernahme steht die Klima-Bewegung jetzt am Scheideweg: Fortsetzung des Mantras des Überflusses, Entfaltung der Potentiale, Investition in in innovative technologische Lösungen, … oder Erfindung von Modellen für Verzicht auf Wachstum, Verzicht auf Konsum, Bestrafung durch Besteuerung, …(17)

In Frankreich hat der zweite Weg zu einem Aufstand der Gelbwesten geführt. in Deutschland mit seinem Schuld-Thema(18) gibt es starke Tendenzen zu obrigkeitsstaatlicher Regulierung, offenen und versteckten Erhöhungen von Steuern und Abgaben, „den Gürtel noch einmal um ein paar Löcher enger schnallen“, …, aber es gibt auch starke Ansätze dazu, „das Beste aus beiden Welten“ zu entwickeln.

Ein Beispiel für diesen dritten Weg ist das deutsche, von der EU übernommene Umweltmanagment-System EMAS, ein zirkuläres System, das darauf beruht, dass sich die teilnehmenden Unternehmen und Organisationen kontinuierlich verbessern. Es ist zwar auch mit einiger Bürokratie verbunden und hat als Ausgangspunkt den legalen und regulatorischen Rahmen, jedoch ist es in erster Linie ein System, das die spezifische Situation des teilnehmenden Unternehmens im Fokus hat und kontinuierlich verbessert und bei dem die Mitarbeiter eine aktive Rolle spielen(19).

Trotz starker Strukturen und ausgefeilter Öffentlichkeitsarbeit für das Mangel-Paradigma, gibt es tatsächlich viel Potential dafür, dass die neue Bewegung der Jugend nicht darin stecken bleibt. Aufgewachsen im Wohlstand, vernetzt in einer hochkomplexen Welt hat die junge Generation das Potential, das Mangel-Paradigma, das auch sehr stark ein Produkt und eine Reaktion auf die Babyboomer-Generation ist, hinter sich zu lassen, echten Reichtum von überflüssigem Reichtum zu unterscheiden und ein Paradigma eines „positiven Reichtums“ zu erfinden.

Auf diesem Weg gibt es ein Potential und eine Hürde: die Digitalisierung/Virtualisierung mit ihrer jüngsten Ausprägung der künstlichen Intelligenz. Sie ist eine der Ursachen der großen Weltkrise, ohne sie könnten weder Ideen, Menschen oder Waren in dieser Intensität den Planeten durchqueren. Und sie ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Lösungen für die vielfältigen Problem des Planeten erscheinen(20).

Auf gewisse Weise ist auch das oben diskutierte Kohlenstoffdioxid eine Virtualisierung der Umweltproblematik (und deswegen funktioniert das Meme so gut). Es gibt jetzt eine einzige Größe, deren Bekämpfung, Vermeidung, Besteuerung, … die Welt retten wird. Ähnlich ist der umfassende Umstieg auf Elektrizität eine Virtualisierung der Energieversorgung. Oder das Finanzsystem, eine Virtualisierung der Wirtschaft …

Das Entstehen so vieler neuer Ebenen birgt aber auch die Gefahr, dass der Bezug zur materiellen Grundlage verloren geht. Doch auch Handys und Computern sind reale Dinge, die Energie verbrauchen(21), zu Sucht führen können und neben den thermischen auch nicht-thermische Wirkungen haben(22).

Glücklicherweise scheint die neue Generation durchaus ein Bewusstsein für ihre eigene Situation und die ihrer Umwelt zu haben. Jüngst rückte das Problem des Artensterbens in den Blickpunkt (wenn die Insekten sterben, dann kann es auch uns selbst nicht gut gehen) und aus dem erfolgreichen bayrischen Bienen-Volksentscheid(23) wird gerade eine Europäische Bürgerinitiative(24).

Kohlenstoff und Verschmutzung

Gretas Mutter schreibt in ihrem jüngst erschienenen Buch: „Greta gehört zu den wenigen, die unsere Kohlendioxide mit bloßem Auge erkennen können. Sie sieht, wie die Treibhausgase aus unseren Schornsteinen strömen, mit dem Wind in den Himmel steigen und die Atmosphäre in eine gigantische unsichtbare Müllhalde verwandeln. Sie ist das Kind, wir sind der Kaiser. Und wir sind alle nackt“(25).

Hier drückt sich exemplarisch eines der größten Missverständnisse über Kohlendioxid aus. Während die Menschheit und alle anderen Lebensformen durchaus darunter leiden, dass sie zunehmend Stoffen ausgesetzt sind, an die sie genetisch nicht angepasst sind, handelt es sich beim Kohlenstoff und seinen Zyklen um einen der grundlegenden Bausteine des Lebens (siehe Chemie- und Biologieunterricht). Kohlenstoff ist ein wesentliches Strukturelement alles Lebendigen und Kohlenstoffdioxid ist eine der Stadien der Kohlenstoffzyklen und wird nicht nur bei den auf Verbrennung basierenden industriellen Prozessen freigesetzt, sondern überall und permanent durch den Stoffwechsel aller Lebensformen, insbesondere aller Tierarten(26). In der Atmosphäre ist es ein unsichtbares Spurengas (0,04%), es ist als solches nicht giftig (kann aber zum Tod führen, wenn es den Sauerstoff aus der Atemluft verdrängt).

Was auf den Bildern mit den qualmenden Schornsteinen zu sehen ist, ist trotz Gretas Hellsichtigkeit nicht Kohlenstoffdioxid, sondern auf der einen Seite Wasserdampf (deshalb erzeugen auch die Kühltürme der Kernkraftwerke diese Bilder) und auf der anderen Seite Dreck, also verschmutzende Kleinst-Partikel. Am dreckigsten ist die Verbrennung von Kohle, sie setzt unter anderem die hochtoxische „coal fly ash“ frei. Diese wird im Westen durch Filter zurückgehalten, jedoch gar nicht oder schlecht in den alten indischen und chinesischen Kohlekraftwerke. Kein Wunder, dass China und Indien so stark auf Elektromobilität setzen, in ihren hochverschmutzten Mega-Metropolen sind Gesundheit und Lebenserwartung der Bewohner durch den Smog extrem gefährdet. Und diese Dreck-Partikel, die sogar im Himalaya zu finden sind, tragen zur Erderwärmung bei.

Abbildung 2 – Jährliche Todesfälle durch Luftverschmutzung, Quelle: Climate & Clean Air Coalition

Die Grenzen des Klima-Memes

Dieses hat gute Dienste geleistet, um die notwendigen Transformationen einzuleiten. Es scheint aber jetzt die Zeit gekommen zu sein, es durch ein umfassenderes lebensbejahendes Humanismus-Meme zu ersetzten. Nur wenn die Schöpfung, das Leben, der Mensch, das Bewusstsein … in den Mittelpunkt gestellt werden, gibt es echte Modernisierung und können wir den Schritt in eine lebenswerte Zukunft machen. Hier drei konkrete Beispiel für die Grenzen des Klima-Memes:

1. Das Klima ist ein Symptom und keine Ursache. Wir hatten in den letzten Jahren in Deutschland große, durch extreme Wetterereignisse(27) verursachte Hochwasserschäden. Es gibt durchaus ernstzunehmende Stimmen, die zeigen, dass die Ursache dafür nicht eine abstrakte globale Erwärmung ist, sondern konkret die aktuelle Landwirtschaft mit ihrer Bodenbearbeitung, die zu einem extremen Humusabbau führt. Humusarme Böden können Feuchtigkeit viel schlechter speichern als humusreiche, damit haben sie aber auch einen entscheidenden Einfluss auf den atmosphärischen Wasserdampfkreislauf. Es besteht allgemeiner Konsens darüber, dass der Wasserdampf eine wesentliche Rolle beim Treibhauseffekt spielt, einige sagen sogar, dass er eine bedeutendere Rolle spielt als das Kohlenstoffdioxid. Humus bedeutet „lebendiger Boden“, er ist nicht nur eine wesentliche Voraussetzung für ein gesundes Klima, sondern auch für gesunde, lebenserhaltende Nahrung und seine Rettung erfordert konkrete Maßnahmen: eine Umstellung der gesamten Landwirtschaft auf moderne biologische Methoden(28).

2. Wahrheiten müssen in Frage gestellt werden. Es ist bekannt, dass der forcierte Umstieg auf Elektromobilität zwar den Verkehr leiser und schadstoffärmer macht, aber andere Umweltprobleme verursacht. Nach dem alten Slogan der Anti-Kernkraftbewegung („Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose“) ist die Energiequelle Strom nur so gut, wie ihre Erzeugung(29). Hinzu kommen die Umweltprobleme durch die Batterien (z.B. Lithium-Abbau). Es ist auch bekannt, dass der Dieselskandal (hier geht es tatsächlich um Dreck) letztlich durch den Imperativ des Kohlendioxidsparens verursacht wurde. Im Verkehrsbereich, der unsere Städte unbewohnbar macht und unsere Landschaften durchschneidet und letztlich immer noch auf Technologien aus dem 19. Jahrhundert beruht, ist ein umfassende Modernisierung, die eine Vielzahl von Anforderungen (Stadt, Land, Lieferketten, …) berücksichtigt, dringend erforderlich.

3. Wir brauchen einen Sprung in die Moderne. Unser wachsender Energiebedarf(30) wird vor allem durch den chemischen Prozess der Verbrennung gedeckt. Die Verfügbarkeit der „Brennstoffe“ macht die Staaten voneinander abhängig und hat seit der Antike viele Konflikte ausgelöst. Das Klima-Meme will die Verbrennung (d.h. die Kohlenstoffdioxid-Freisetzung) verbannen(31). Was ist die Alternative? Nach der Atombombe des Zweiten Weltkriegs lag es nahe, diese gewaltige Energiefreisetzung auch friedlich zu nutzen, doch an den derzeitigen Kernreaktoren ist nicht viel modern(32). Die Sonne wird zwar eingefangen, aber mit sehr traditionellen Mitteln, Wasserkraft ist eine der ältesten Methoden zur Energiegewinnung. Und als letzten Clou gewinnen wir jetzt Energie aus landwirtschaftlich angebauten Pflanzen, sogenannten Energiepflanzen. Das Klima-Meme konnte bisher keinen Modernisierungs-Durchbruch erzeugen, jedoch gibt es vielversprechende Ansätze, die es dringend zu entwickeln gilt: Wasserstoff, Biogas aus Abfällen, Brennstoffzellen, Kernreaktoren der 4. Generation, Kernfusion, neue kerntechnische Prozesse (wie LENR – low energy nuclear reactions), Freie Energie(33) …

Modernisierung der wissenschaftlichen Forschung

Wissenschaft ist eine der wichtigsten Schöpfungen des Menschen, eine der wesentlichsten Ausprägungen des Humanismus und Grundvoraussetzung für die Schaffung von Reichtum und Fülle. Wie ist es jedoch um die wissenschaftliche Forschung bestellt?

Das Klima bietet dazu reichlich Anschauungsmaterial. Als erstes fällt einem die Arbeit des Weltklimarats IPCC ein, der seit Thatchers Zeiten einer der wichtigsten Treiber für die globale Umgestaltung ist. Dieser ist aber keine wissenschaftliche, sondern eine politische Institution, nämlich eine Unterorganisation der UNO.

Der größte Teil der Klimaforschung ist angewandte Forschung und eher dem Bereich der Soziologie, bzw. der Zukunftsforschung als dem der Naturwissenschaften zuzuordnen. Wie aus dem Titel des Potsdamer Instituts zu entnehmen, geht es um Klimafolgenabschätzung. Die Methode ist die Modellierung und die Ergebnisse reichen von moderat bis alamistisch. Doch die Output-Daten sind nur so gut wie die Algorithmen und die Input-Daten. Die Algorithmen sind wie bei Google eher undurchsichtig und über die Qualität der Input-Daten gibt es immer wieder heftige Auseinandersetzungen, beispielhaft sei hier die Datenlage beim Meeresspiegelanstieg genannt(34). Qualifizierte Gegenpositionen gibt es, jedoch vor allem in der Zivilgesellschaft(35).

Nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit sind die physikalischen Grundlagen. Das verwundert nicht, denn Atmosphärenphysik ist ein hochkomplexes Thema und für physikalisch gebildete Laien oder Wissenschaftler anderer Disziplinen nur mit Mühe zugänglich. Eine der Grundfragen, die diese Atmosphärenphysik beantworten kann, ist die, wie stark der Absorptionseffekt von langwelligen Strahlen durch Kohlendioxid ist. Daneben gibt es die Angewandte Physik, die zum Beispiel die Frage beantworten kann, ob der Kohlenstoffdioxidanstieg in der Atmosphäre die Erwärmung verursacht oder ob diese (z.B. durch Ausgasung aus den Meeren) den Kohlenstoffdioxidanstieg verursacht.

 

Abbildung 3 – Absorptionsspektrum von Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf, Quelle: Chemieonline.de

 

Abbildung 4 – Anstieg von Temperatur und Kohlenstoffdioxid, Quelle: scilogs.spektrum.de

Die Beantwortung beider Fragen, die hier exemplarisch aufgeworfen wurden, ist von großer Bedeutung für viele wichtige Zukunftsentscheidungen (z.B. riesige Investitionen in die Kohlendioxidspeicherung), zu beiden Fragen gibt es durchaus kontroverse Ansätze, doch haben nur die Experten die Voraussetzungen für eine qualifizierte Diskussion. Und in der Öffentlichkeit sind die Fronten ähnlich verhärtet wie vor der kopernikanischen Revolution unseres Bilds der Erde.

Eine der dringlichsten Aufgaben ist es, die wissenschaftlichen Forschung fit für das 21. Jahrhundert und seine Herausforderungen zu machen. Wie wollen wir das leisten, wenn das geforscht wird, wofür die Politik das Geld bereitstellt, wenn ein Haupttreiber die Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist, von denen die Karriere des Wissenschaftlers abhängt, wenn die Durchlässigkeit zwischen den Fachdisziplinen nicht ausreicht und die Arbeit der einzelnen Forscher immer spezialisierter wird? Und wie kann diese Arbeit der rationalen Herangehensweise an die Umwelt-Situation und wie können Lösungsvorschläge der Öffentlichkeit zugänglich und verständlich gemacht werden?
Dies sind zwei große Herausforderungen, um einen erfolgreichen ökologischen Übergang zu beginnen(36).

Auf der Webseite des „Institute for Venture Science (IVS)“ von Dr. Gerald Pollack heißt es: „Major breakthroughs come around far too infrequently. It’s been over half a century since DNA was discovered and a century since the discovery of sub-atomic particles. IVS is a “black swan” incubator for open discovery of paradigm changing insights. By managing modest investments in open exploration of ideas that possibly have enormous ramifications for humanity, IVS increases the likelihood of major breakthroughs. These breakthroughs can build entirely new industries and transform existing ones; they can lead to medical and technological breakthroughs; and they can help humankind with the challenge of managing the environment“(37).

Wissenschaft mit Bewusstsein … Diese Art von Diskurs wird uns wahrscheinlich von der Ära der Millenial-Ökologie in die der Heilung der Umwelt führen, eine begeisternde Aufgabe für die jungen Menschen an Stelle einer Last der Erbsünde, eine Schöpfung an Stelle der derzeit vorgeschlagenen Apokalypse.

Christel Hahn, Studium der Physik, Software-Entwicklerin, Übersetzerin und Verkäuferin

Fussnoten:

(1) Quelle: Neon, 27/5/2019

(2) Die erste der „neuen“ Parteien. Entstanden aus der radikalen Umweltbewegung und der neuen Linken der siebziger Jahre, hat sich ihr Bild, das bis noch vor kurzem von Alt-68ern wie Trettin, Künast, Kuhn, Bütikofer, Roth dominiert war, radikal gewandelt, verjüngt und erneuert.

(3) Quelle: t-online, 17/06/2019

(4) Nach ihrer aktiven Zeit hat sie dann ihren Standpunkt um 180 Grad geändert. Quelle: The Ecologist, 17.10.2018

(5) Wie kann man das Klima leugnen?? … Tatsächlich ist der Ausdruck „Klima-Leugner“ recht verbreitet.

(6) Quelle: Twitter, 12/5/2019

(7) Quelle: Twitter, 17/4/2019

(8) Quelle: The Guardian, 17/5/2019

(9) Quelle: Wikipedia

(10) Es gibt einige Prozesse, die völlig aus diesem Schema fallen, z.B. die Kernenergie, deshalb wird sie heute schon als sauber bezeichnet und erlebt eine Renaissance.

(11) Quelle: Wikipedia

(12) Quelle: World Resources Institute

(13) Quelle: Green Climate Fund

(14) „And just as with so many other problems humanity has faced, environmental problems should be solvable given the right technology and spreading prosperity“. Quelle: CAPX, 13/06/2019

(15) Wahlentscheidend für die Wahl 2016 waren die Arbeiter des „rust belts“, deren Arbeitsplätze nach Mexiko, China, … verlagert worden waren. Siehe auch Thomas Wictor auf Quodverum, 14/3/2019

(16) Geschaffen von Greta Thunberg. Quelle: Fridays for Future

(17) Kritik eines schweizer Technik-Bloggers an den Klima-Kids, Hitzestau, 5/02/2019

(18) Siehe dazu zum Beispiel: Verein Kriegsenkel e.V.

(19) Quellen: Europäische Kommission, EMAS

(20) Siehe zum Beispiel: LEAP, 14/08/2018

(21) Quelle: zdf, 23/9/2018

(22) Quelle: 5gspaceappeal

(23) Quelle: The Guardian, 19/02/2019

(24) Quelle: SofiaGlobe, 15/05/2019

(25) Quelle: faz, 29/4/2019

(26) Wenn man die Forderung nach dem Stopp aller Kohlenstoffemissionen wörtlich nimmt, dann müsste man das Ausatmen verbieten. Allein diese weitverbreitete Unkenntnis über die Natur von Kohlenstoff und Kohlenstoffdioxid sagt viel über die grundlegende Lebensfeindlichkeit des Mangel-Paradigmas aus.

(27) Hier der prominenteste deutschsprachige Wetterfrosch, Jörg Kachelmann, über das diesjährige Wetter, Quelle: t-online, 7/6/2019

(28) Zum Beispiel wird mit der Terra Preta-Technologie Humus durch verlebendigte Pflanzenkohle (Kohlenstoffspeicher!) aufgebaut. Siehe zum Beispiel: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

(29) Chinas Stromerzeugung wird noch auf absehbare Zeit auf Kohlekraftwerken basieren und in unserem Nachbarn Frankreich kommt der Strom aus zum großen Teil veralteten Kernkraftwerken.

(30) Quelle: Agentur für erneuerbare Energien

(31) Es nicht ausgeschlossen, dass die zurückgehende Nachfrage nach Kraftstoffen und Heizöl die Ölindustrie dazu gebracht hat, den Plastikausstoß zu erhöhen, der Einsatz von Plastik hat sich in den letzten Jahren rapide erhöht.

(32) Sie basieren auf dem Prinzip der Dampfmaschine. Quelle: Greenpeace

(33) Aus der Schulabschlussarbeit einer 17jährigen Österreicherin: “Trotzdem denke ich, dass sich Investitionen in ‘Freie Energie’ lohnen wülrden, da wir, ohne unseren hohen Lebensstandard aufgeben zu müssen, die Möglichkeit hätten, unsere Umwelt zu schützen und ärmeren Ländern zu helfen”, Quelle: OEVR

(34) Da die Erde keine starre Badewanne ist, gibt es sowohl den Zufluss von Wasser in die Ozeane, als auch Hebung/Senkung von Landmasse. Kritisch: Mechanisms of sea-level changes, Quelle: NoTricksZone, 13/02/2019; Sealevel data altered by scientists, Quellen: Newstarget, 18/02/2019, NoTricksZone, 4/12/2017, Springer, 6/11/2017; Apologetisch: Land unter, Quelle: Correktiv, 3/06/2019

(35) Zum Beispiel plädiert Patrick Moore (“The sensible environmentalist”) dafür, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Quelle: Ideacity, 2015

(36) Bereits 2001 reagierte Jacques de Gerlache in Belgien auf diese beiden Fragen, indem er die Website GreenFactsInitiative zur Verbreitung wissenschaftlicher Informationen über die Umwelt einrichtete.

(37) Quelle: Institute for Venture Science

Written by Christel Hahn