„Ihr ment it glaube, des sell nint rächts isch.“ Ich traf einen Bürger des Dorfes, in dem ich lebe, der die Newropeans-Veranstaltung hier besucht hatte, und er erzählte mir, was er den anderen gesagt hätte. Auf Hochdeutsch: „Ihr müsst nicht glauben, dass das nichts Gutes ist.“ Und so ein Kommentar bedeutet hierzulande schon einiges, das bekommt man nicht leicht.

Unterstützungsunterschriften sammeln in Deutschland erfordert zwar hohen Einsatz, öffnet aber auch neue Türen, einfach dadurch, dass wir jedem einzelnen erklären müssen, was die Newropeans wollen, was sie motiviert und warum sie auf der Bildfläche erschienen sind.

Noch wichtiger dabei ist aber, in sich aufzunehmen, was die Bürger motiviert, wo sie stehen und was sie wollen.

Wie kommt jemand zu so einem Urteil über eine neue, nicht sehr professionell auftretende Bürgerbewegung? In erster Linie deshalb, weil die uns regierenden Eliten bei ihm ihr Ansehen verloren haben. Dies gilt für die aus der freien Wirtschaft, für die politischen Eliten und die Beamtenapparate gleichermaßen. Der Bürger möchte mit diesen nichts mehr zu tun haben, er ist entsetzt über das Ausmaß an Korruption, Gier, und mangelndem Respekt vor dem einfachen Menschen, das diese Eliten durchzieht.

Der Bürger selbst hat kein sehr großes Interesse an „Politik“, er möchte „in Frieden leben“. Er sieht allerdings zunehmend die Notwendigkeit, selbst zu handeln und die Dinge, auf die er Einfluss hat, „in Ordnung zu bringen“.

Zu der Newropeans-Veranstaltung „Europa der Eliten oder der Bürger?“ am 2.2. in der Raststätte Hegau, am Eingang zur Bodensee-Region, kamen solche Menschen: Bürger, die in einer örtlichen Bürgerinitiative gegen die Verschwendung öffentlicher Mittel eintreten; der Bürgermeister einer anderen Gemeinde; Rentner, die auf ein Berufslebens zurückblicken, in dem sie sich für die Gemeinschaft engagiert haben und die noch viel Energie und Erfahrung dafür übrig haben; der Reporter der örtlichen Zeitung, der durch seine Arbeit Einblick in das „System Brüssel“ gewonnen hat; kreativ tätige Menschen vom Bodensee und junge Menschen, die sich darüber Gedanken machen, wie die Welt für ihre Kinder aussehen wird.

Ein Teilnehmer drückte es so aus: „Jeder befindet sich in Gruppen, Netzwerken, diese wiederum überlappen und berühren sich“.

Wie sehr dieser Wertewandel im Gang ist, sah ich auch am nächsten Morgen an meinem Arbeitsplatz. In einer Frauenzeitschrift entdeckte ich einen Wettbewerb mit dem Titel „Vom Ich zum Wir“. Gesucht wird nicht mehr der perfekteste Körper, das beste Supermodell, sondern die lokale Initiative, die am intelligentesten und kreativsten etwas für die Gemeinschaft tut. Googelt man mit „Vom Ich zum Wir“ findet man viele Hinweise auf einen solchen Wertewandel. Der Umbruch, die Veränderung ist in vollem Gange und dies macht Mut.

Meine Konsequenz für Newropeans heißt: das lokale Engagement mit dem für eine Neugründung der EU zu verbinden, Strukturen in Europa zu schaffen, in denen sich die Bürger selbst verwalten können und in denen sie letztlich „in Frieden leben können“.

Meine Konsequenz für die Bürger heißt: Unterstützen Sie uns durch ihre Unterschrift, so dass es bei der Europawahl am 7.6. eine bürgerschaftliche Alternative gibt. Unterschreiben Sie noch heute! Schicken Sie unseren Aufruf weiter! Sammeln Sie weitere Unterschriften und werben Sie weitere Sammler!

Written by Christel Hahn